von Ingrid Gossens (aus:Briard-Revue 2/2002)
Ich fange einmal mit dem an was sie nicht ist, das ist nämlich viel einfacher: Eine Junghundebeurteilung ist auf gar keinen Fall eine endgültige Bewertung IhresHundes (schon gar nicht für Ausstellungen), sondern eine Momentaufnahme Ihres Hundes in einem gewissen Alter.
Wir beurteilen junge Hunde zwischen 7 und 15 Monaten, die noch voll in der Entwicklung stehen. Es gibt einige Merkmale, die sich in diesem Alter noch verän-dern, wie zum Beispiel die Knochenstärke, die Brust, die Fellfarbe, die Fellqualität, die Felllänge, der Ausdruck und die Ausstrahlung und manchmal sogar die Proportionen.
Zugegeben, ein sehr helles, gelbes Auge wird voraussichtlich nicht mehr dunkelbraun werden und eine leere Afterkralle bestimmt keinen Knochen mehr bekom-men.
Wenn Sie einmal auf einer Ausstellung waren und sich die Jugendklasse angesehen haben, die im gleichen Alter wie bei der Junghundebeurteilung gerichtet wird, so haben Sie bestimmt bemerkt, dass es dort Jugendschönheiten und Spätentwickler gibt. Die Welt sieht manchmal ganz anders aus, wenn diese Hun-de mit 3 Jahren (dann sind sie voll entwickelt) in der Offenen Klasse starten.
Deshalb kann die Bewertung Ihres Hundes auf einer Junghundbeurteilung nichts Endgültiges über seine Ausstellungslaufbahn aussagen, genauso wenig wie eine einzige Bewertung in der Jugendklasse auf einer Ausstellung. Aus diesem Grunde brauchen Sie auch nicht enttäuscht zu sein, wenn Ihr Hund bei der Junghundebeurteilung nicht die höchste Punktzahl erreicht hat. Vielleicht hat er ja bei einigen Merkmalen den ein oder anderen Punkt deshalb nicht bekommenweil er noch in der Entwicklung ist. (Sagen Sie mal ehrlich: Sean Connery sah in seinen späteren Filmen doc auch viel besser aus, als in seinen James Bond Jahren!)
Es geht bei der Junghundebeurteilung nämlich nicht um Pokale, Anwartschaften oder etwas Zukunftweisendes für Ihren Hund! Nein, es geht um die ZUKUNFT DER BRIARD-ZUCHT!
von Hilmar Gowin
Für den BCD ist die Junghundebeurteilung mit eines der wichtigsten und interessantesten Ereignisse: Hier haben wir die beste Möglichkeit zum Teil komplette Würfe der letzten 1 ½ Jahre wieder zusehen und uns einen Überblick darüber zu verschaffen, wohin unsere Briardzucht tendiert.
Denken Sie daran: Wenn Sie mit Ihrem Hund zu einer Junghundebeurteilung gehen, helfen Sie mit, die Qualität der Briardzucht in Deutschland zu erhalten und vielleicht sogar zu verbessern, weil Sie uns Informationen geben, die für die Zukunft der Rasse sehr wichtig sind!
Die Geburtsstätte der Briardzucht der Zukunft sind die Informationen von Welpenbeurteilungen, Ausstellungen und Junghundebeurteilungen. Bei Welpenbeurtei- lungen sind die Hunde noch sehr klein, trotzdem ziehen wir sie alle hinzu. Bei Ausstellungen ist es umgekehrt, denn die Hunde sind zwar zum Teil voll entwickelt,
aber aus einigen Würfen ist nur einer oder überhaupt kein Hund dabei. Die Junghundebeurteilung ist aus diesen Gründen sehr wichtig.
Außerdem lernen Sie beim Verhaltenstest und im Umgang mit anderen Hunden Ihren Hund noch etwas besser kennen und unsere Verhaltenstester geben Ihnen auch gerne Tipps für den Umgang mit Ihrem jungen Hund.
Es kann für Sie und Ihren Hund ein wunderschöner Tag werden, an dem beide viel Freude haben, wenn Sie so ein Ereignis mit der richtigen Einstellung besu-chen. Genießen Sie den Tag, lernen Sie nette Leute und Ihr Hund nette Hunde kennen. Auch die Geschwister Ihres Hundes sind voraussichtlich dort.
Haben Sie keine Erwartungshaltung und setzen Sie sich nicht unter Stress. Es ist eigentlich auch völlig egal, wann Sie im Standard oder Verhaltenstest an der Reihe sind, die Unterlagen Ihres Hundes können sowieso erst am Ende der Veranstaltung ausgegeben werden. Machen Sie sich einen schönen Tag und helfen Sie dem BCD den typischen Briard zu erhalten – das ist unsere ganz große Bitte und wir können dies nur mit Ihrer Hilfe erreichen! Sie geben uns die Informationen, mit deren Hilfe wir trotz der noch nicht ganz abgeschlossenen Entwicklung der Hunde auf Grund unserer Erfahrung Tendenzen erkenne können. Und wir sehen, wie gut die Linien von Vater und Mutter der Junghunde zusammenpassen.
All diese Informationen helfen dem BCD, jetzigen und zukünftigen Züchtern und Deckrüdenbesitzern, damit diese auch in Zukunft den Welpenerwerbern einen typischen Briard“ bieten können.
Ich habe schon den Satz gehört: „Na, wenn er nicht unter den Ersten ist, dann brauchen wir ja auch nicht auf eine Ausstellung zu gehen.“ – Dieser Satz ist aus oben genannten Gründen nicht richtig. Es gibt eine Menge vielversprechender Junghunde. Und wenn es Ihnen Spaß gemacht hat und Sie Freude an Ausstel- lungen haben, gehen Sie auch dort mit der richtigen Einstellung hin. Ein guter Hund, einer der gepflegt ist, sich anfassen lässt und gelernt hat ruhig an der Leine zu traben, wird sich auf Dauer durchsetzen. Es muss ja nicht immer eine Platzierung sein!
Und ein schlechter Hund ???????? Einen schlechten Hund gibt es nicht. Unsere Hunde sind so gut, wie wir sie in unserem Herzen tragen, und wenn wir die Augen aufmachen und sehen , wie viel Liebe sie uns entgegenbringen und wie gerne sie schon als Welpe von uns lernen wollen ein guter Hund zu sein, dann müssen wir ihn eigentlich fest in unser Herz schließen, auch wenn sie morgen lila anlaufen und gelbe Punkte bekommen würden! Für einen selbst sollte der eigene Hund sowieso immer der Beste sein! Denn einen perfekten Hund gibt es nicht, genauso wenig wie es einen perfekten Menschen gibt.
Versäumen Sie nicht das Verhalten Ihres Hundes zu fördern, und fördern Sie durch Ihr Erscheinen bei einer Junghundebeurteilung die Zucht im BCD und vor allem:
Haben Sie ganz viel Spaß zusammen mit Ihrem vierbeinigen Familienmitglied!
von Norbert Haag
Die Verhaltensbeurteilung des von Junghundes gibt uns unter anderem die Gelegenheit, Extremverhalten des Hundes und eventuelle Halterfehler frühzeitig zu erken- nen. Dazu wird das Verhalten des Hundes und seines Halters über den gesamten Ablauf beobachtet, möglicherweise werden dann auch Einzelpunkte dem Ge-
samten angeglichen und es wird, wo nötig, eine weiterhelfende Bemerkung geschrieben. Da es nicht möglich ist, das rein ererbte „Wesen“ aus dem Gesamtver-
halten „herauszutesten“, arbeitet die Verhaltensgruppe des BCD mit im Alltag möglichen praktisch verständlichen Testabläufen für das Lebensteam Halter/Briard.

Ablauf der Junghundebeurteilung:

Wer seinen Junghund zur Verhaltensbeurteilung vorführt, ist aufgeregt und oft auch verunsichert. Darum im folgenden einige Infos, damit der Hundeführer mit seinem Hund handlungssicherer ist.

-Was kommt auf mich zu?
-Wie verhalte ich mich?

Der Hundeführer hat am Beurteilungstag nach der Ankunft mit seinem Hund einen kleinen Spaziergang gemacht, damit der Hund sich lösen und die Füße vertreten kann. Anschließend lässt man ihn im Auto und deckt, wenn nötig, dieses mit einem Tuch so zu, dass der Hund im Schatten sitzt (Fenster einen Spalt geöffnet). Fressen und Wasser wie zu den üblichen Zeiten. Nicht ständig den Hund mit Wasser und Futter in seiner Ruhe belästigen.
Danach ortet man das Beurteilungsfeld. Etwa 10 Minuten bevor man drankommt, holt man seinen Hund, lässt ihn kurz auslaufen und steht dann abseits des Eingangs bereit. (Alter Hundeführerscherz: der Eingang ist da, wo 10 Hunde mit ihren Führern dicht gedrängt stehen – man also nicht reingehen kann).
Man ist dran: Zügig geht der Hundeführer mit seinem aufgemunterten Hund zur Verhaltensbeurteilungsgruppe, durchquert sie einmal und meldet sich dann an. Denken Sie daran, dass die Verhaltensbeurteiler bei der Junghundebeurteilung dazu da sind, Ihnen und Ihrem Hund zu helfen. Das tun sie auch, indem sie mit der gesamten Gruppenerfahrung – die sich zusammensetzt aus Züchtern, Hundehaltern, Trainer von Sporthunden sowie Theoretikern – das Team Hund und Hundeführer beobachten.
Darum locker, ernsthaft und offen für das Junghundeverhalten, das man vorführt und das am Testende besprochen wird.
Das wird – natürlich dem Alter der jungen Briards angemessen – beobachtet und beurteilt:

Spiel mit dem Halter
Der Hund soll mit dem Halter und seinem Spielzeug, oder ohne Spielzeug nur mit dem Halter spielen. Der Halter kann als Person durchaus selbst aktives Spielzeug sein. Dabei soll die Bindung Hund-Hundeführer erkennbar sein.

Spiel mit Fremden
Der Verhaltensbeurteiler übernimmt das Spielzeug bzw. spielt mit dem Hund

Sicherheit im Spiel
Beim Spiel mit dem Halter, sowie beim Spiel mit Fremden wird die Selbstsicherheit und die Aktivität, die vom Hund ausgeht, sowie das Fordern und Wehren um das Spielzeug bewertet.

Optische Eindrücke
Sie werden mit gespannten Leintüchern, Folien, Regenschirmen und Tunnel usw. erzeugt und zwar in einer Art und Weise, wie es im Alltag vorkommen kann.

Akustische Eindrücke
Als akustische Eindrücke werden Kannen, Dosen, Büchsen usw. zum Klappern gebracht. Der Einsatz der Geräusche erfolgt in einer normalen Alltagslaut-stärke. Bewegte Geräuscherzeuger werden nicht auf oder direkt gegen den Hund geworfen, sondern nur in entsprechendem Abstand.
Temperament
Während des gesamten Ablaufs wird die Bewegungsfreude, das Temperament des Briards beobachtet.
Verhalten zu Fremden
Über den gesamten Test wird das Verhalten zu Fremden beobachtet.
Verhalten zum Halter
Über den gesamten Test wird das Verhalten zum Halter beobachtet.